Die Germanen und Kelten

5. Die Germanen

Die Germanen sind ein Teil des großen Indogermanentums (Urgermanentums). Germanische Völker und Stämme haben sich wie die anderen Indogermanen auch aus dem alteuropäischen Band- und Schnurkeramikertum und dem benachbarten Megalithikertum (vgl. Schuchhardt) entwickelt. Durch die frühe Auseinanderbewegung bzw. die Wanderungsbewegungen der verschiedenen indogermanischen Stämme entwickelten sich unterschiedliche, wenn auch eng verwandte, Sprachgruppen. Die indogermanischen Sprachen werden von der Sprachwissenschaft in zwei große Gruppen unterteilt: Kentum- und Satemsprachen. Die germanische Sprachgruppe kristalisierte sich später heraus, gleiches gilt für die Stämme, die wir heute zu den Germanen rechnen.
Die Germanen wanderten teilweise nach Westen und Norden weiter und breiteten sich schließlich über den gesamten mittel- und nordeuropäischen Bereich aus. Man kann die Germanen also in gewisser Hinsicht als späte Indogermanen bezeichnen, die mehr oder minder "zu Hause geblieben sind" und nicht etwa nach Italien oder Ostasien usw. auswanderten. Gebiete, die vorher bereits von den artverwandten Kelten (Gallier) bewohnt waren, erhielten nun durch die innereuropäischen Wanderungen der Germanen neue Einwohner. Rassisch unterschieden sich die Stämme germanischer Sprache kaum von den anderen Indogermanenvölkern. Immerhin sind in diesen ja ihre direkten Vorfahren zu erblicken. Allerdings blieben die Germanen länger "unter sich" und so blieben sie lange Zeit so gut wie reinrassig nordisch, wenn auch mit einer gehörigen Beimischung der (ebenfalls blonden) fälischen Rasse. Diesen Zustand hatten sie auch nach wie vor in der Spätantike und im Frühmittelalter als sie langsam begannen den gesamten europäischen Kontinent zu erobern und zu besiedeln.
Der nordische Typus, also jener langschädelige, blonde und blauäugige Menschenschlag, hat sich im Übrigen, als sich das Indogermanentum herauszubilden begann, aus dem sächsisch-thüringischen Bereich und anderen Gebieten weiter nördlich über die anderen artverwandten Unterrassen (z.B. die dinarische, ostische oder westische) geschoben. Ähnliches gilt auch für die fälische Rasse, also einer Unterart des nordischen Typus (vgl. Lundmann), die von der Vorgeschichtsforschung vor allem mit den Menschen der alteuropäischen Megalithkultur in Verbindung gebracht wird. Beide Typen prägten die indogermanischen Völker und das Germanentum sehr stark. Auch im heutigen deutschen Volk sind diese beiden Typen nach wie vor am häufigsten vertreten.

Zu den germanischen Völkern, also dieser sich später bildenden Untergruppe des mitteleuropäischen Indogermanentums, zählen z.B. berühmte Stämme wie die Franken, Goten, Angeln, Sachsen oder auch die Wikinger. Während der Ausbreitung der germanischen Völker kam es bereits zur Zeit der Römer zu Konflikten mit den benachbarten Kelten, die große Teil Europas von Spanien bis nach Schottland bewohnten und u.a. für ihre frühe Eisenverarbeitung berühmt waren. Mann kann die germanische Ausbreitung in gewisser Hinsicht als zweite große, von Mittel- und Osteuropa ausgehende, Wanderung nordischer Völker bezeichnen. Bis nach Byzanz, dem kümmerlichen Rest des römischen Weltreiches, wanderten Germanenstämme, wobei sie nicht selten als Söldner angeworben wurden, um nur nach kurzer Zeit führende Ämter in diesen Staaten zu übernehmen. Auf die zahlreichen Reiche und Zivilisationen, die von den Germanen nach der Völkerwanderung errichtet wurden, geht der Abschnitt "Der Einfluss germanischer Völker im Mittelalter" ein.
Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass die zivilisationsgründenden Völker des Urgermanentums und Germanentums die Bevölkerung in ihrem Umfeld durch ihre unerreichte kulturschöpferische Kraft für viele Jahrhunderte prägten und allen Zeitalter des Aufstiegs und des Wohlstandes brachten.

 
 
Heute waren schon 10 Besucher (29 Hits) hier!